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Hallo ehrenswerte Leser und auch Mitschreiblinge,

schön, dass Ihr Euch auf mein Profil verirrt habt.

Ich bin MajinMicha und schon seit ein paar Jahren auf Fanfiction.net unterwegs.

Ich schreibe gerne Fanfiction (neuerdings auch Sherlock), wer also Lust hate diese zu lesen findet mich unter:

http://www.fanfiction.net/u/552406/Majin-Micha

und kann sich gerne einlesen.

Alles war mir spontan einfällt, schreibe ich nieder.

Daher könnt ihr nun alle meine Geschichte (auch die von fanfiction.net) hier lesen.

In diesem Sinne, viel Spaß :=)

Alter: 30
 


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Blog

Der letzte Spaziergang

Der letzte Spaziergang

Hunderte von Regentropfen prasseln an mein Fenster. Große und schwere Regentropfen, die nach einem langen Gewitter ihren letzten Weg auf die Erde finden. Der leise und kühle Wind, der draußen weht, kündigt den kommenden Herbst an. Sanfter Nebel zieht auf und die Straßen sind unbelebt – und unheimlich.

 

Dieses Wetter spiegelt meinen Gemütszustand wider.

Es ist der typische Sonntagabend und es ist viertel nach Acht, als ich das Haus verlasse und die Straßen als Einzige besuche.

Kein Mensch kreuzt meinen Weg, als ich den Weg zum Wald einschlage und mich auf meinen alltäglichen Spaziergang vorbereite. Es ist Gewohnheit geworden und nichts und niemand, keiner meiner Verwandten oder Bekannten – ja nicht einmal das Wetter – kann mich aufhalten, dieses Weg fortzusetzen. Es ist mein eigenes kleines Ritual.

 

Weshalb ich das tue?

 

Mein ganzes Leben habe ich nach dem einen Mann gesucht.

Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, der Traum eines Mannes zu sein.

Und ich fand ihn – ich fand meinen Seelverwandten.

Ich traf ihn, als ich an einem schönen Sommermorgen am Joggen war und mir ungeschickter weise den Knöchel verstauchte und zu Boden fiel.

Er war da, er half mir wieder auf die Beine. Ich verliebte mich sofort, als ich in seine dunklen und geheimnisvollen blauen Augen blickte.

Es war Liebe auf den ersten Blick – die Luft um uns herum knisterte.

Von nun an sah ich ihn jeden Tag, anfangs redeten wir nur Small Talk, doch eines Tages lud er mich zum Essen ein. Später tranken wir noch einen Kaffee in seiner Wohnung – und somit begann unsere innige Beziehung.

Wir liebten uns täglich, flüsterten uns Liebesworte und andere Zärtlichkeiten ins Ohr – ich lebte mit ihm in einem Traum, der niemals enden sollte.

Meine Familie war vernarrt in ihn – keiner wollte ihn jemals wieder missen.

 

Mein Blick wird trübe, als ich an die vielen wundervollen Stunden zurück denke, in denen wir so glücklich waren, doch ich schüttle schnell meinen Kopf und setze meinen Weg fort – noch immer regnet es in Strömen.

Der Boden unter mir ist matschig und mit jedem Schritt sinke ich etwas tiefer in die lehmige Erde ein. Doch es interessiert mich nicht. Nichts interessiert mich mehr – und wird es auch in ferner Zukunft nicht.

Denn heute wird der letzte Spaziergang meines Lebens sein.

Ich sehe keinen Grund mehr, noch länger auf diesem Planeten zu verweilen.

 

Er war 27 Jahre alt, als er starb.

Er war ein junger, attraktiver und sportlicher Mann und er starb als kranker und hilfloser in den Armen derjenigen, die er liebte – in meinen Armen.

Um mich zu schützen, hatte er mir von seinem Geburtsfehler nichts erzählt. Sein Herz trug er auf der rechten Seite - es enthielt zudem ein Loch.

Die Ärzte hatten ihm ein nicht all zu langes Leben versprochen – er sollte maximal 18 Jahre alt werden. Um sein Leben zu genießen, sollte er es so weiterführen wie ein junger, kräftiger und gesunder Mann – was er auch getan hatte.

 

Regentropfen benetzen mein Gesicht – oder sind es Tränen, die meinen rot geschwollenen Augen ein weiteres Mal entweichen?

Ich wundere mich, dass ich überhaupt noch instand bin, über ihn zu weinen, wo seit dem Tag genau ein Jahr verstrichen ist.

Meine Augen klären sich kurz und ich erkenne die Gegend um mich herum.

Es ist wie ein heftiger Schlag, der meinen ganzen Körper erzittert.

Ich bleibe stehen – an einer Stelle, die ich bisher immer gemieden habe; sie ruft zu viele schmerzhafte Erinnerungen hervor... es ist die Stelle, an der ich meinen Seelenverwandten traf und an der mein Geliebter zusammenbrach und starb.

Noch heute sehe ich sein Gesicht und trotz der Schmerzen hatte er gelächelt – weil ich es war, die ihm bei gestanden und nicht verlassen hatte.

Ich blicke zum Himmel empor.

Meine Augen werden glasig – hatte ich vor einigen Minuten etliche Schlaftabletten geschluckt, um einen schmerzvollen Tod zu vermeiden.

„Nicht mehr lange mein Liebster...“

Meine Stimme klingt weit entfernt – nicht von dieser Welt. Ich spüre meine Beine kaum noch, lasse mich zu Boden sinken – meine Hose klebt nun von Nässe und Dreck.

Es ist mir egal.

Die Gegend um mich herum verblasst, die Geräusche verstummen, die Luft um mich herum wird kälter – ich friere.

 

Plötzlich spüre ich etwas hinter mir – spüre eine bekannte Wärme und höre die Schritte, welche ich so lange nicht mehr gehört, doch gleich wieder erkenne.

Es sind deine Schritte.

Arme, welche sanft und doch so stark, umfangen mich und geben mir Trost.

Ich spüre die Hoffnung in mir, dich endlich wiederzusehen – und ich werde nicht enttäuscht, als ich mich zu dir herumdrehe.

Deine Augen blicken mich voll Liebe an, dein Lächeln vertreibt die Kälte in mir, die Angst schwindet.

Ich brauche keinen Himmel, kein Paradies. Alles was ich brauche, bist du.

„Ich liebe dich!“

Dein strahlendes Lächeln vertreibt die Finsternis, die sich um mich herum aufgebaut. Ich sehe dein Äußeres, spüre deinen regelmäßigen Herzschlag unter meinen kalten Händen.

Ich spüre, wie du mich fest an dich drückst und nicht länger den Boden unter meinen Füßen.

Und dann sind wir eins – du und ich, und werden es für immer sein!

 

 

Leise und ruhige Schritte hinter mir.

Schritte, die vertraut und doch so fremd.

Schritte, die bewusst und doch zögernd.

Schritte, welche mitteilen, wie sehr du mich liebst.

Schritte, die mir sagen, dass du bei mir bist.

Schritte, die mir sagen, dass du mich nie wieder verlässt.

Schritte, die deine sind – und meine!

13.10.13 21:33, kommentieren

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- THE SECRETARY -

T H E   S E C R E T A R Y

Ich weiß nicht, wann es begonnen hat.

Ich weiß auch nicht, seit wann ich mehr in ihm sehe als meinen Boss.

Aber wahrscheinlich war es schon immer in mir, leicht versteckt, wartend bis es ungebremst würde auflodern können.

Es sind diese kleinen, netten aber nicht ernstgemeinten Flirtereien am Arbeitsplatz.

Ein frecher Spruch von mir, eine passende Antwort von ihm.

Schalk, der in Beider Augen aufblitzt.

Die anderen Kollegen können nur darüber die Köpfe über diese täglichen Schlagabtausche schütteln.

Wer würde schon je darüber nachdenken, dass dies ernst gemeint sei?

Dass tatsächlich etwas entstehen, etwas passieren würde?

Ich wäre wohl die Letzte gewesen, die das gedacht hätte.

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Es fing - eigentlich wie immer - harmlos an einem Morgen an.

Das Büro war noch nicht besetzt. Ich war die Erste, wie eigentlich immer die letzten Tage.

Tagesablauf streng geregelt:

Licht, Geräte, Computer an.

Fenster auf - im Sommer war es einfach zu heiß, nur die morgendlichen Lüftungsaktionen brachten tatsächlich etwas kühlere Luft ins Innere.

Dann das tägliche Ritual:

Kaffe für meinen Boss - wie immer schwarz, ohne Milch und Zucker und vor allem: Kalt.

Erst dann würde er tatsächlich schmecken.

Die einen duschten kalt und die anderen tranken eben ihren Kaffe kalt. Jedem das seine.

Dann hieß es, die täglichen E-Mails bearbeiten, stur einer nach der Anderen.

Manchmal ging es um technische Fragen, die geklärt werden mussten, manchmal einfach nur die Ablage durchforsten, um bei abgeschlossenen Aufträgen noch einmal die Details zu klären.

So weit, so gut.

An diesem Tag jedoch war es anders. Ob ich dafür dankbar bin, weiß ich leider nicht.

Ich saß gerade an meinem Schreibtisch, bereit für die morgendlichen Ärgernisse mit unseren Kunden, da bimmelte auch schon das Telefon.

Etwas überrascht sah ich von einer elend langen E-Mail in einer mir unbekannten Sprache auf, um wegen dem frühmorgendlichen Anruf schon einen bissigen Kommentar abzulassen. Erst da sah ich, wer anrief - mein Boss.

Der, hierbei nebensächlich erwähnt, nur eine Bürotür (mit Glasfront) von mir entfernt saß und gemütlich auf seinem I-Phone herum experimentierte. Die besagte Glastür stand offen.

Ich dachte mir meinen Teil über solch ein faules Verhalten, welches er derzeit öfters an den Tag legte, was eigentlich gar nicht zu ihm passte. Etwas verärgert betrat ich wie gewünscht sein Büro. An manchen Tagen fühlte ich mich wie die kleine Sklavin aus "Fifty Shades of Grey", mit der Ausnahme, dass ich weder gevögelt noch gefesselt wurde und meine Name auch nicht Anastacia war.

Einige Sachen mussten wohl durchgesprochen werden, da sich mein Boss, der übrigens Ian Shawn hieß, in wenigen Minuten auf eine 1-Tages Reise zu einem langjährigen Kunden machen musste, um mit diesem über ein neues Projekt zu sprechen.

Als ich ihm Sekunden später gegenüber saß, fiel mir sein seltsamer Blick auf.

Er musterte mich.

Nun, generell tat er das immer, was mich anfangs sehr erschreckt und auch erröten lassen hatte.

Deduzieren, dachte ich mir jetzt und musste dabei an einer meiner Lieblings TV-Sendungen namens "Sherlock", gespielt von Benedict Cumberbatch, denken.

Ich schüttelte den Gedanken ab und starrte ihn ebenfalls ohne zu blinzeln an - das hatte ich von ihm gelernt. Stur lächeln und winken.

Sein Blick schien mich zu durchbohren.

Meine Nervosität stieg, was selten vorkam - hatte ich etwas Falsch gemacht?

Ich war generell eine penible Person wenn es um meine Arbeit ging, zu Hause war ich tatsächlich anders, fast schon "normal".

Sehr zum Ärgernis meiner Mutter, die mich ab und an unangemeldet besuchte, um zu sehen wie es mir ging.

Neuerdings tat Sie das schon fast täglich und hatte ständig etwas auszusetzen.

"Valerie, Deine Küche sieht ja wieder aus, bring doch endlich die Glasflaschen vor die Tür." oder

"Wieso stapeln sich schon wieder so viele Schuhe in Deinem Flur, Valerie?"

Mein Argument war stets, dass ich hier wohnen würde und kein Museum betriebe.

Die häufigen Besuche meiner Mutter durfte ich übrigens meinem ehemaligen Partner, Schrägstrich, hinterhältiges Arschloch, verdanken.

Die letzten Tage und Wochen waren tatsächlich nicht leicht für mich gewesen, da mich oben genanntes Individuum nach langjähriger Beziehung sitzen gelassen hatte - für - eine Jüngere.

Gut, dass Wort "Jüngere" war in diesem Fall etwas falsch gewählt, da ich selbst eigentlich auch noch jung war - ich hatte gerade erst meinen 26 Geburtstag gefeiert.

Die Neue war 22 , dünn, sportlich, sehr hübsch und - natürlich - Model, mit diesem furchtbaren Zahnpastalächeln und einem Körper, bei dem man sich dachte er wäre gephotoshopt.

Auf mich trafen die oberen Eigenschaft nicht wirklich zu, denn ich war weder sportlich, noch sehr hübsch und ups - leider auch kein Model.

Verzeihung, klinge ich sarkastisch?

Man sollte eigentlich meinen, dass sich die Anwälte heutzutage nicht immer auf das Äußere konzentrieren sollten. Denn in der Regel kamen die meisten nach wenigen Wochen wieder angekrochen.

Meiner bisher leider nicht und - zu meine großem Erstaunen und Erschrecken - hatte er dieses  Topmodel auch noch geheiratet.

Damit musste ich erst fertig werden.

Wie jeder rational denkende Mensch hatte ich natürlich versucht, mich durch die Arbeit abzulenken - was allerdings nur mäßig gelungen war.

Aber zurück zum Text.

Der Blick meines Boss ruhte immer noch auf mir und mir wurde mulmig.

"Was?" Ich war, gelinde ausgedrückt, gereizt.

"Schlecht gelaunt?" War seine Gegenfrage.

Ich blickte ihn gelangweilt an. Er wusste natürlich, wie es mir ging, das sah man mir - leider - nur all zu deutlich an. Und ich hatte auch das Gefühl, dass einer meiner Arbeitskollegen sich etwas verplappert hatte, natürlich aus Versehen.

"Kein Kommentar." Ich blockte ab.

Ich konnte und wollte ihm nichts erzählen. Privat war schließlich Privat, das ging ihn überhaupt nichts an.

Er gab über sich auch nie etwas Preis.

Ich hatte nur gehört, dass er von seiner Freundin getrennt war, allerdings sagte man sich er hätte bereits wieder eine neue Partnerin.

Ich frage mich instinktiv wie Männer es schafften, innerhalb kürzester Zeit und problemlos sich so schnell eine neue Dame an ihrer Seite zu beschaffen.

Auch hier hatte es wohl wieder mit dem Aussehen zu tun.

Denn, und dass hatte ich mir schon lange eingestanden, Mr Ian Shawn sah - leider - umwerfend gut aus. Er war gerade 43 geworden, groß, durchtrainiert, braun gebräunt, dunkle tiefe, interessante Augen, ein nettes Lächeln.

Dieses Lächeln bekam man allerdings nur sehr selten zu Gesicht. Schade eigentlich, denn es war wirklich ein nettes Lächeln.

Meine Gedanken begannen verrückt zu spielen, ich schüttelte innerlich den Kopf.

Ich durfte mir eigentlich nicht über meinen Boss den Kopf zerbrechen, kaputte Beziehung hin oder her. Ich konnte mich auch anders ablenken.

Mit Wein zum Beispiel, den ich einen Tag vorher fleißig zu mir genommen hatte.

Verdammt, saß ich deswegen hier?

Konnte man es an mir riechen, dass ich mich hatte gehen lassen und zum Wein gegriffen hatte?

Ich zögerte kurz, bevor ich frage: "Hab ich was angestellt?"

Er lächelte nett - aber unecht, seine Augen blieben nach wie vor ernst. "Noch nicht, Valerie."

Dann stand er auf und öffnete sein Fenster.

"Wir beide machen heute einen Ausflug."

Toll. Wundervoll.

Ja wirklich, ich freute mich.

Die Sonne schien mir bei diesen Worten aus dem Arsch.

"Warum?", war das Erste dass ich ihn fragte.

Ich biss mir auf die Lippen, unhöflich war eine der weiteren Eigenschaften seit ich wieder Single war.

Er drehte sich um und blieb am Fenster stehen.

"Sie arbeiten jetzt seit sechs Jahren bei mir."

"Sechseinhalb, um genau zu sein." Er ignorierte meinen Zwischenkommentar. Machte er immer.

Er begann erneut.

"Sie beantworten tägliche hunderte Fragen von unseren Kunden, schicken Fachleute und die benötigten Materialien auf der ganzen Welt zu den Montagestellen und haben absolut keinen Schimmer, welche Funktionen all diese Sachen haben."

Was um alles in der Welt...?

Ich spürte, wie ich innerlich zu kochen anfing.

Was bildete sich dieser Typ eigentlich ein?

Ich hatte natürlich Schimmer, wer wann was so brauchte und wie all das miteinander im System funktionierte.

Theoretisch.

Live und somit praktisch war ich tatsächlich noch nie dabei gewesen, aber:

Hey, ich war schließlich auch nur die Büro-Tussi, das Mädchen für alles, dir für solche Sachen definitiv zu unterbezahlt war und es daher auch gar nicht zu wissen brauchte.

Mir blieb der Mund offen stehen und ich wollte schon zu einer passenden Erwiderung ansetzen, doch mein Boss lies mich gar nicht zu Wort kommen.

"Klappe halten."

Ich schloss geräuschvoll meinen Munden, indem ich die Zähne fest aufeinander und mir somit leider auch in meine Unterlippe biss.

Den Schmerzensschrei unterdrückte ich nur kläglich.

Er zog spöttisch eine Augenbraue nach oben, ersparte sich aber den Kommentar.

"Holen Sie sich Ihre Tasche, dann können wir endlich losfahren. Heute Abend sind Sie wieder zu Hause und können damit weitermachen, wo Sie gestern aufgehört haben."

Den schockierten Blick, den ich ihn bei diesen Worten zuwarf, kommentierte er ebenfalls nicht.

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"Nicht einschlafen."

Ich riss wahrscheinlich nun schon zum dritten Mal die Augen auf und setzte mich wieder Kerzengerade hin.

Ein Blick zu meinem Boss bestätigte, was ich aus seiner Stimmlage herausgehört hatte - er lachte über mich.

"Ich habe geschnarcht, oder?" wollte ich wissen.

Sein Grinsen wurde breiter. "Nur ein klein wenig."

Er machte eine kurze Handbewegung in meine Richtung, um mir mit Daumen und Zeigefinger das "nur ein klein wenig" anzudeuten.

Ich wurde rot.

Schnarchen war undamenhaft und ich hasste es.

Geerbt hatte ich das höchst wahrscheinlich von meinem Vater, den ich dafür ebenso hasste und noch für ein paar andere Dinge mehr. Aber das war unwichtig.

Dass ich eine schlechte Beifahrerin war hatte ich meinem Boss und meinen Kollegen schon wissen lassen und je bequemer das Auto war, desto schneller war ich im Land der Träume.

Ich hing in dem tollen Sitz seines SUV und bestaunte die Innenausstattung, die großen komfortablen Sitze, das neue hochmoderne Navigationssystem, das schlanke schwarze Bedienfeld mit automatischer Spracheinrichtung. Ich könnte stundenlang weitererzählen.

Leider war ich so schrecklich müde, dass meine Augenlider sich langsam wieder herab zusenken begannen.

Ich widerstand und räusperte mich, um meine belegte Stimme zu stärken.

"Wie weit müssen wir noch fahren?" Ich musste gähnen - peinlich.

"Noch etwas mehr als 20 Meilen", war seine Antwort, dann umfasste er den Steuerknüppel und schaltete in den sechsten Gang.

Ich beobachtete ihn aus den Augenwinkeln und meine Müdigkeit verflog.

Ich sah das feine Muskelspiel, welches sich unter seinem schwarzen seidenen Hemd abzeichnete, wenn er wieder zurück schalten musste.

Sah seine langen, fein gliedrigen Finger, die den Schaltknüppel fest in der Hand hielten.

Dieser langen, fein gliedrigen Finger an einer makellosen Hand.

Eine Hand, die ich unbedingt anfassen wollte.

STOP!

Wohin begannen meine Gedanken mich zu führen?

Ich seufzte tief und rieb mir den Augen aus dem Schlaf und hoffentlich somit auch meine Gedanken aus meinem Kopf.

Ich begann innerlich, die Meilen bis zum Zielort herunter zu zählen.

Gott war ich froh, wenn ich dieses Auto verlassen und mich auf andere Dinge konzentrieren konnte.

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Als wir wenige Stunden später wieder im Auto saßen und die Heimatreise antraten, war ich wütend.

Wütend auf meinen Boss, wütend auf mich und auf jeden anderen verdammten Menschen auf dieser Welt.

Ich hatte mich zu Tode gelangweilt.

Dieser unbedingte, spontane Besuch auf dieser wichtigen Baustelle, auf der ich bestimmt noch etwas lernen würde, hatte mich nur eines gebracht: Langeweile.

Furchtbare, nicht zu verhindernde Langeweile.

Ich hatte weder etwas Neues erfahren, noch hatte ich die Möglichkeit mich in der Firma unseres Kunden großartig umzusehen.

Das Firmengebäude war gefühlte 1.000 Jahre alt und benötigte zwingend eine Generalüberholung.

Die eingelagerten Maschinen, welche zur Bewirtschaftung der Argrar-Felder in der unmittelbaren Umgebung dienten, hatten dasselbe Alter und waren nicht mehr zu gebrauchten.

Sie waren weder gepflegt noch in all den Jahren überholt worden, höchstens notdürftig repariert.

Geschätzter Wiederverwertungswert: Schrottpreis.

"Wie alt war dieser Mann, Ian?"

"Schätzen Sie."

"105?"

Ein kehliges Lachen ertönte.

Ich blinzelte grinsend zu ihm hinüber und konnte mich nicht dagegen wehren, was sein Lachen in mir auslöste.

Es gefiel mir. Schade dass ich es so selten zu hören bekam.

"Lassen Sie ihn das bloß nicht hören, Valerie.", tadelte er mich kurze Zeit später und grinste weiterhin.

Meine Frage hatte er aber nicht beantwortet.

"Und?"

"Tatsächlich ist er bereits 78 Jahre, sieht für sein Alter gar nicht so schlecht aus."

"Tun Sie auch nicht."

Meine Antwort war schneller heraus, als dass ich darüber hätte nachdenken können.

Ich spürte, dass ich wieder rot wurde und schimpfte mich innerlich einen Vollidiot.

"Offensichtlich.", war sein einziger Kommentar, er grinste weiterhin, schwieg aber.

Mein Herz raste.

Um mich abzulenken, blickte ich durch die getönte Beifahrerseite nach draußen in den Himmel, der sich bereits zu verdunkeln begann.

Einerseits, weil es bereits Abend wurde, andererseits weil dicke, schwarze Wolken  am Horizont auftauchten und sich mit enormer Geschwindigkeit zusammen zogen.

Erst da bemerkte ich die dicken Regentropfen auf der Windschutzscheibe, die automatisch unsere Geschwindigkeit drosselten.

Ich atmete verzweifelt aus. Das würde eine lange Fahrt nach Hause werden.

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Ich schreckte mit einem lauten "Valerie" auf und wusste im ersten Moment nicht, wo ich war.

Dann hörte ich wieder dieses kehlige Lachen neben mir und blickte meinen Boss verärgert an.

Ich war - wieder einmal - eingeschlafen.

Ich blickte kurz auf meine Uhr und bemerkte, dass ich tatsächlich für eine ganze Stunde eingenickt und somit auch angreifbar gewesen war.

Ein Blick nach draußen ließ meine Hoffnung auf baldige Heimkehr sinken.

Es war stockfinster, regnete in Strömen und blitzte verhalten hier und da auf.

"Na super." Jetzt bemerkte ich auch noch, dass ich dringend Wasser lassen musste und unbewusst rutsche ich auf meinem Sitz hin und her.

Mein Boss schien mich aus den Augenwinkeln beobachtet zu haben.

"Wir machen bei nächster Gelegenheit Pause, okay? Dann kann ich auch gleich tanken".

Ich brachte ein erfreutes Lächeln zustande und nickte.

"Danke."

"Jederzeit wieder."

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Dem Herrn sei es gedankt war die nächste Tankstelle mit - ja! - Raststätte gleich um die Ecke und ich dermaßen erleichtert, dass es mir sogar vollkommen egal war, dass ich triefend nass die Toilette erreichte.

Danach ging es mir deutlich besser.

Als ich nach draußen trat, suchte ich bei den Zapfhähnen nach dem bekannten SUV, stellte dann aber überrascht fest, dass dieser eingeparkt wurde.

Fluchend und mit hoch gezogenem Kragen kam mein Boss schnell auf mich zu gerannt, um so wenig wie möglich nass zu werden.

Leider half dass bei diesem Wetter nicht und schon nach wenigen Metern war er komplett durchgeweicht wie ich auch. Irgendwie tat er mir Leid, aber ich sagte nichts.

"Möchten Sie einen Kaffe, Valerie?"

Er deutete nach innen in die Gaststätte und ich nickte zustimmend.

Innen war es warm und es roch nach Essen und ranzigem Öl, ich verzog das Gesicht. Ich hasste billige Restaurantketten.

Die Kaffeeautomaten standen direkt neben dem Eingang und noch bevor ich protestieren konnte, hatte mir mein Boss auch schon einen Kaffeebecher in die Hand gedrückt und sein Geld in den Automaten gesteckt.

"Suchen Sie aus was Sie möchten, Valerie. Ich muss an die Kasse."

Er rauschte an mir vorbei, während er sich immer noch seine Ärmel ausschüttelte.

Ich drehte mich herum, drückte auf den Knopf für einen normalen Cappucchino und ließ meinen Boss nicht aus den Augen, während er zahlte.

Als eine der Kassiererinnen ihn lautstark bemitleidete, dass er bei diesem scheußlichen Wetter so nass geworden war, lächelte er nur gequält.

Ich grinste etwas boshaft. Schadete ihm nicht.

Mein Grinsen verschwand aber dann gänzlich von meinem Gesicht, als er sich sein schwarzes Sakko von den Schultern zog und sich wieder zur mir auf den Rückweg machte.

Sein seidenes Hemd lag durch die Nässe eng an seinem Oberkörper an und ich bildete mir ein, sogar seine Brustwarzen durch den Stoff des Hemdes sehen zu können.

In diesem Moment wollte ich ihm die Klamotten vom Oberkörper reißen und diesen Adoniskörper berühren, ihn fest packen, an mich ziehen, küssen.

Vollidiot, hörte ich mich wieder murmeln und versuchte angestrengt, dieses Bild aus meinem Kopf zu bekommen.

"Alles klar?"

Mein Chef stand neben mir und sah mich aus zugekniffenen Augen ruhig an.

Etwas zu ruhig meiner Meinung nach.

Mir blieb buchstäblich die Spucke weg und ich drehte mich um, ganz so als wäre ich bei etwas Schlimmes ertappt worden. Was auch stimmte, da ich meinen Boss in aller Öffentlichkeit angehimmelt und buchstäblich angesabbert hatte.

Mein Herz hämmerte stark und schnell in meiner Brust und mein Unterleib zog sich schmerzhaft zusammen.

Ich war nicht mehr zu retten.

Ich war einsam und chronisch unbefriedigt.

Letzteres wahrscheinlich sogar mehr.

Mein Boss förderte seelenruhig seine Zigarettenschachtel zutage, nahm sich eine Zigarette heraus und zündete diese noch in der Gaststätte an, während er mich sanft nach draußen ins Freie schob, wo es immer noch heftig regnete.

Dann zog er genüsslich an seiner Zigarette, während er mich weiterhin beobachtete.

Ich trank einen kleinen Schluck aus meinem frischen Automatenkaffee und verbrannte mir sofort die Zunge.

Er sah es und grinste, ich schwieg und wich seinem Blick aus.

"Haben Sie eigentlich schon jemand Neues kennengelernt, Valerie?", fragte er mich plötzlich.

Ich blickte ihn an, sprachlos wenn nicht sogar fassungslos.

"Warum...", kam mir schließlich langsam und auch lauernd über die Lippen.

"Keine Lust? Oder ist es jemand, den Sie bereits kennen und es funkt noch nicht so richtig?"

Hatte ich schon erwähnt, dass mich solche persönlichen Fragen einfach nur nervten?

"Geht Sie nichts an...", gab ich zurück und blies in den Kaffee, um mir noch einen Schluck mit einer angenehmeren Temperatur zu genehmigen.

"Kenne ich ihn?" Er zog wieder an seiner Zigarette, ließ einfach nicht locker.

"Das geht Sie überhaupt nichts an, Ian!", kam es erneut und diesmal lauter über meine Lippen.

Daraufhin schwieg er, sah mich aber weiterhin an.

Zog wieder an der Zigarette, blies den Rauch in den Nachthimmel, sah hinauf.

"Das ist generell richtig", murmelte er dann.

Ich schluckte. Was war damit wieder gemeint?

"Schon mal daran gedacht, dass sich einige Kollegen um Sie sorgen?"

"Ach ja, und welche bitte?", fragte ich genervt.

Diese Leier von wegen Sorgen und Mitleid hatte ich mir in den letzten Wochen zur Genüge anhören dürfen. Es hing mir langsam zum Hals raus.

Warum musste mit immer sofort die Lust an allem vergehen, wenn ich ständig an mein nicht vorhandenes Liebesleben erinnert wurde?

In Gedanken versunken verstand ich seine leise Antwort, die er mir gab, nicht.

Ich sah ihn an. "Tut mir Leid, hab' nicht zugehört. Was hatten Sie gesagt?"

Er bewegte seinen Körper näher zu mir und meinte mit tiefer Stimme: "Ich sagte, ich zum Beispiel!"

Mein Herz pochte laut und schnell und ich merkte, wie die Hand in der ich die Tasse hielt, zu zittern begann, als er so unverhofft nahe an meinem Gesicht war.

"Mir geht's gut." Tolle Antwort, Valerie, ganz toll. Unwillkürlich ging in einen Schritt nach hinten, brachte Distanz zwischen uns Beide.

So konnte ich wenigstens wieder klar denken.

"Oh ja, das sieht man." war die sarkastische Antwort die ich von ihm bekam.

Er zog ein langes, letztes Mal an seiner Zigarette, blies den weißen Rauch langsam nach oben aus, bevor er die Zigarette auf dem Boden zertrat.

Seine gesamte Gestik war sinnlich gewesen.

Ich schluckte hart und verzog verärgert über mich das Gesicht.

Ich sollte wirklich nicht so über ihn denken.

"Wir sollten weiterfahren", meinte mein Boss mit einem letzten Blick auf mich und setzte sich in Bewegung.

Ich folgte ihm gehorsam.

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"Wir stecken also mitten in der Pampa fest??"

Ich war schockiert und blickte hinaus in die dunkle Nacht, wo ab und an Blitze den Himmel erhellten. Der Regen prasselte unaufhörlich auf das Autodach.

Ich konnte in der Ferne keine Stadt oder etwas Ähnliches sehen.

Wir waren nicht gerade weit gekommen, seitdem wir von der Tankstelle wieder aufgebrochen waren. Ich hatte nebenbei mitbekommen, dass das Navigationssystem einige Probleme machte und nicht wirklich ein Signal zu finden schien.

Jetzt hatte mein Boss mitten auf der Straße angehalten und das Licht im Auto angeschaltet, hantierte mit dem Navi herum, sein Blick wurde von Sekunde zu Sekunde wütender.

"Scheiße....!!" war alles, was ich herausbrachte.

Neben mir rastete mein Boss komplett aus. "Dieses verflixte Navi bekommt in diesem verdammten Kaff keinen Empfang und die beschissene Landkarte ist auch nicht zu finden." Er riss das Gerät aus seiner Station und feuert es nach hinten.

Ich zuckte kurz zusammen und sah ebenso zornig zu ihm hinüber. Ich hasste es, wenn er schrie, davon bekam ich Kopfschmerzen. Außerdem wollte ich unbedingt aus den nassen Sachen raus und einfach nur nach Hause.

Mein Boss umfasse das Lenkrad fest mit beiden Händen, krallte sich hinein, so als wolle er vor lauter Verzweiflung seinen Kopf gegen das Lenkrad knallen.

Meine Stimme war brüchig als ich meinte: ""Ich will nicht in diesem gottverdammten Wagen schlafen, sondern in meinem Bett."

Sein Kopf fuhr herum, seine Augen funkelten mich an, die Ader auf seiner Stirn schien fast zu explodieren, als er nur gefährlich leise meinte: "Es ist doch vollkommen egal ob Sie zu Hause oder hier bei mir im Auto sitzen. Es wartet doch eh keiner auf Sie."

Mir blieb eine Erwiderung im Halse stecken und innerlich tief getroffen wandte ich mich ab, blickte nach draußen. Meine Augen füllten sich mit Tränen und ich schluckte, versuchte nicht loszuheulen.

Dieser Satz - wenn er vielleicht auch nicht erst gemeint war, da die derzeitige Stresssituation einfach zu viel für den sonst so starken Mann neben mir zu sein schien - tat mir weh.

Sehr weh sogar.

Das überraschte mich.

Ich hörte ihn laut seufzen und wusste instinktiv, dass er sich entschuldigen wollte, aber ich war einfach zu gekränkt um ihm im jetzigen Moment verzeihen zu können.

"Fahren Sie einfach weiter. Die nächste Ortschaft bietet hoffentlich eine Übernachtungsmöglichkeit. Ich werde nicht mit Ihnen in diesem Auto übernachten."

Kommentarlos schaltete er den Motor an und fuhr weiter, der finsteren Nacht entgegen.

Den restlichen Weg schwiegen wir uns an.

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Die Absteige, in der wir letztlich hielten, ließ sogar ein billiges Motel wie ein RIZ aussehen, aber mir was das in diesem Moment nicht wichtig.

Ich wollte nur eins: eine Dusche, ein Bett und weg von meinem Boss.

An der "Rezeption", die aus einem kleinen länglichen Tisch mit Zeitungen von über einer Woche bestand, hinderte ich ihn daran, seine Karte zu zücken und meinte:

"Danke, aber ich kann durchaus mein Zimmer selbst bezahlen."

Mit diesen Worten gab ich der Dame hinter der Theke meine Kreditkarte und schnappte mir den angebotenen Zimmerschlüssel. Dann ließ ich ihn ohne ein weiteres Wort stehen.

Nachdem hinter mir die Hotelzimmertür ins Schloss fiel, ließ ich mich auf das kleine Bett fallen und vergrub den Kopf in meinen Armen.

Ich war zu stolz um zu weinen und wollte mir auch nicht eingestehen, dass ich mich tatsächlich einsam fühlte, weil niemand zu Hause auf mich wartete.

Aber ich wollte so etwas nicht aus dem Mund meines Boss' hören.

Lautlos begann ich zu schluchzen.

In diesem Moment hasste ich mich genauso sehr wie ihn.

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Ich erwachte durch ein leises Klopfen an meiner Tür.

Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass noch keine zehn Minuten vergangen waren.

Meine nasse Kleidung klebte mir noch immer am Körper und ich fühlte mich total gerädert.

Ich erhob mich und ging langsam zur Tür, blickte durch den Türspion nach draußen in den hell erleuchteten Gang.

Vor meiner Tür stand mein Boss. Wer auch sonst.

Sein schwarzes Hemd stand einen Spalt offen und ich konnte einen Blick auf seine muskulöse, haarlose Brust werfen. Sein Blick war klar, aber müde.

Er wirkte so, wie ich mich fühlte. Obwohl er mir Leid tat, wollte ich ihn trotzdem nicht reinlassen.

Ich war schon imstande mich umzudrehen, dann sah ich wie er sich kurz über die Stirn wischte und schnell schluckte, sein Hand zitterte. Interessant.

Dann klopfte er noch einmal leise.

Ich seufzte und öffnete die Tür einen Spalt breit, blinzelte verschlafen in den Gang hinaus.

"Was ist los, Ian?", frage ich leise, meine Stimme klang rau.

Er blickte mich wortlos an.

Sah, wie er sich näher auf die offene Tür zu bewegte, auf mich zu.

Ich konnte seinen warmen Körper schon beinahe an mir fühlen. Automatisch ging ich ein paar Schritte rückwärts in das Zimmer hinein, wich von ihm.

Er folgte mir unaufgefordert und das machte mich nervös.

Das Licht im Gang erhellte den Eingangsbereich im Zimmer, den er mit seinem Körper verdeckte. Ich erahnte ihn mehr, als dass ich ihn sah.

Ich hörte ihn leise Ein- und Ausatmen.

"Ian, was wollen Sie?", fragte ich erneut.

Mein Herz begann wieder schnell und laut zu pochen, wie so oft in letzter Zeit in seiner Anwesenheit.

"Mich entschuldigen..." seine Stimme war ebenfalls rau, aber angenehm.

Überrascht senkte ich den Kopf, wusste nichts zu sagen.

Wieder stiegen mir Tränen in die Augen, ich blickte gen Boden. Da erst bemerkte ich, dass das Licht im Zimmer schwächer wurde.

Ich sah auf und konnte gerade noch erkennen, wie die Tür ins Schloss fiel.

Dann war es dunkel im Zimmer. War ich wieder allein?

"Ian..?", fragte ich in die Stille des Zimmers hinein.

Zur Antwort hörte ich sein leises Atmen, das mir näher zu sein schien wie noch vor wenigen Sekunden. Ich konnte ihn nicht sehen, nicht einmal erahnen, so dunkel war es.

Ich tapste ein paar Schritte vorwärts, streckte die Hände hilfesuchend aus, wollte das Licht im Zimmer anmachen.

Meine Hände griffen aber nichts in Leere, sondern bekamen einen muskulösen Arm zu fassen.

Im gleichen Moment, indem ich meine Hände wieder zurückziehen wollte, packten mich seine starke Arme und ich wurde an den Mann vor mir herangezogen.

Mir stockte der Atem. Was ging hier vor?

"W-Was..."

"Ich bin ein Arschloch..." unterbrach er mich. In diesem Augenblick wurde ich mir seiner Nähe bewusst, sein Atem war dicht an meinem rechten Ohr.

Der Duft seines After-Shaves stieg mir in die Nase und ich atmete tief ein.

"Offensichtlich", war das Einzige, was ich sagen konnte. Seine Nähre verwirrte mich.

"Ich sage Dinge, die ich gar nicht so meine." sprach er langsam weiter, ohne auf meinen Kommentar einzugehen.

Meine Augen versuchten in der Dunkelheit die Umrisse seines Gesichts auszumachen, ich erahnte seinen Blick, der tief auf mir ruhte.

"Ich bin derjenige, auf den niemand zu Hause wartet...."

Seine Worte verstummten nun gänzlich und ich spürte, wie meine Lippen zu kribbeln begannen. Nervös befeuchtete ich diese mit meiner Zunge.

"Das tut mir Leid...", war die einfache Antwort von mir. Und das tat es wirklich.

Mein Herzschlag pochte heftig unter seinen Händen, spürte, dass sich sein Puls ebenfalls beschleunigte. Noch immer ließen seine Hände mich nicht los, dicht stand ich an ihn gepresst.

Meine Finger lagen leicht an seinem nackten Oberkörper, der nicht von seinem Hemd bedeckt war. Die Haut war weich und warm und unbewusst fingen meine Finger an, diese zu streicheln.
Er atmete tief ein, sein Oberkörper bewegte sich nach vorn und ich spürte seinen Kopf direkt an meinem, seinen Atem über meine rechte Schulter streichen.

"Valerie..."

Mein Name aus seinem Mund jagte mir einen Schauer über den Rücken und ich bekam eine angenehme Gänsehaut.

"Es tut mir wirklich Leid, was ich im Auto zu Ihnen gesagt habe."

Die Stimme war dicht an meinem Ohr, ich bebte innerlich. Leicht wandte ich meinen Kopf in seine Richtung, spürte seine Nase an meiner Wange. Ich war ihm nah, so unglaublich nah.

"Angenommen...", war meine gehauchte Antwort auf seine Entschuldigung.

Sein Griff wurde lockerer und ich merkte, wie er sich langsam von mir löste.

Aber das wollte ich nicht. Ich wollte, dass er mich weiter an seinem Körper festhielt.

Doch er ging nicht weg. Er nahm meine Hand in seine und zog mich in Richtung Bett.

Als er sich setzte blieb ich unschlüssig vor ihm stehen.

Er zog mich langsam an sich und ich ging in die Knie, setzte mich vorsichtig auf ihn.

Er ließ sich in das Bett zurücksinken und ich folgte ihm, legte meinen Kopf auf seine Brust, hörte seinen schnellen Herzschlag.

Einige Minuten vergingen, in denen wir nichts sagten oder taten, sondern einfach still da lagen. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich war verwirrt und gleichzeitig hoffte ich auf so vieles mehr.

Und er tat mehr.

Seine Hände legten sich auf meine Schulten, drückten mich sachte zurück, bis ich neben ihm auf gleicher Augenhöhe im Bett lag. Ich sah seinen Blick, der wieder ruhig auf mir lag.

Seine Hand streichelte vorsichtig meine Wange und ich spürte, wie er mein Gesicht an sich zog.

Den vorsichtigen Kuss nahm ich nicht sofort wahr.

Ich war zu hypnotisiert von seinen Augen, die mich trotz des intimen Kontaktes ansahen, sich nicht schlossen.

Dann öffnete sich sein Mund ein wenig und der Druck auf meinen Mund verstärkte sich. Ich reagierte zögerlich und bewegte meine Lippen auf seine. Seine sinnliche Zunge fand den Weg zu mir und ich antwortete ihm mit derselben Vorsicht.

Ich stöhnte leise auf, als sich unsere Zungen trafen und er atmete heftiger.

Sein Griff wurde fester, er zog mich an sich. Ich umarmte ihn und schlang meine Hände um seinen Hals. Ich spürte die weichen Lippen, spürte seinen Atem, schmeckte seinen Geschmack, bitter und süß zugleich, auf seiner Zunge.

Ich stöhnte erneut, krallte mich in sein Haar.

Seine Zunge und sein Mund waren nun forscher, leidenschaftlicher. Seiner Hände verirrten sich in meine Haare, zogen mein Gesicht - wenn das überhaupt möglich war - näher an ihn.

Ich brannte innerlich und stöhnte erneut, als sich seine Augen endlich schlossen und er sich dem Kuss komplett hingab.

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1 Kommentar 13.10.13 21:18, kommentieren